Sonntag, 7. Juni 2009

Hüte deine Zunge! Weisheiten aus dem HAGAKURE


Achte darauf, keine Bemerkungen zu machen, die im Zusammenhang mit gegenwärtigen Angelegenheiten Widerstand hervorrufen. Wenn es Komplikationen gibt, neigen die Menschen zur Aufregung und reden unbewußt von nichts anderem. Solche Bemerkungen, nach denen niemenad verlangt hat, können im schlimmsten Fall den sorglosen Sprecher, der seine Zunge nicht im Zaum hält, das Leben kosten. Selbst in milderen Fällen können die Anmerkungen andere mit tief verwurzeltem Groll gegen ihn aufbringen. Um solche Fehltritte zu vermeiden, sollte man in seinem Quartier bleiben und einen Tag mit dem Verfassen von Gedichten oder ähnlichem verbringen.

HAGAKURE

Warum das Buch Hagakure in einem Film von Jim Jarmusch vorkommen kann ist ein astruses Geheimnis, das man sich als Liebhaber seiner Filme fragen könnte. Denn Jim Jarmusch macht Filme, die die Wirklichekit als düsteres Märchen darstellen und trotzdem einen skurrilen Humor aufweisen. Eine düstere, bedrückende und schon fast paranoide Stimmung spricht aus den Ratschlägen von Tsunemoto Yamamoto. Wenn dies mit der Tatsache zusammengebracht wird, dass Stimmungen wie diese, "zufälligerweise" gut, oder bessergesagt, passend mit den Werken von Kafka kombiniert werden können, dann wird einem vielleicht klar, warum Jim Jarmusch so geschmackvoll in "Dead Man" die visionäre, Apokalyptische Stimmungen aus Blakes Gedichten mit Kafkaesken Schicksalen vermengen konnte. Aber warum geschmackvoll? Und hat dies mit Realität zu tun, Geschmack? Heißt Geschmack Überlebenskunst???


"William Blake" aus Cleveland

In einer Diktatur, in einem Regime, in einer Welt, die von Gewalt beherrscht wird, finden solche Worte tatsächliche Übereinstimmung mit der Realität. Die Suche nach einer besseren sozialen Stellung, nach einem größerem Stück Anerkennung, das Streben nach Macht oder Erfolg, leiten oft den Stärkeren dazu, den Schwächeren zu unterdrücken, oder den Menschen zum Kannibalen zu machen. Hobbes:
homo homini lupus...




Was hat dies mit dem Apollynischem und mit Schönheit zu tun? Mit Beatnik Kultur und Flower Power? Mit Rechte der Unterdrückten und Schwächeren mit Literatur, mit dem Schicksal der Überlebenden?

hier das Zitat aus Ernesto Sabatos Roman "Abaddon: the exterminator"

... und hatten über sich einen König,
den Engel des Abrgrunds,
des Name heißt auf hebräisch Abbaddon,
und auf griechisch hat er den Namen Apollyon.

(zitiert aus der Apokalypse nach dem Apostel Johannes)

1995 lief zum ersten Mal der Film mit Johnny Depp im Kino. Für Literaturkritiker aus Europa bleibt dieser Film eine Büchse der Pandora, was die Bezüge zur tschechischen Literatur in deutscher Sprache anbelangt. Was für Filmkritiker aus Übersee eine ziemlich klar und deutbare Lesbarkeit im Sinne der Geschichte und des Schicksals der Nordamerikanischen Indianern aufweist, wird hierzulande als gesellschaft und kulturkritisch aufgefasst.



echter Indianer, oder parodie eines englischen Lords? ..oder Rotpeter aus Kafkas Bericht an eine Akademie?

Aus dem selben Band der Anthologie zur Englischen Literatur in dem Mary Shelleys Frankenstein steht, zitier ich, fast zuguterletzt, einige Zeilen aus William Blakes The Marriage of Heaven and Hell

The road of excess leads to the palace of wisdom
(Proverbs of Hell)


Auguries of Innocence:

Every night and every morn
Some to misery are born, Every morn and every night
Some are born to sweet delight.
Some are born to sweet delight,
Some are born to endless night.
We are led to believe a lie
When we see not thro' the eye,
Which was born in a night to perish in a night,
When the soul slept in beams of light.


William Blake, wie der Landarzt aus Kafkas Erzählung

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